Kick-off für den RoboCup

Von: pk
Technisch fit, aber dennoch Optimierungsbedarf: Beim Torwandschießen ereichte Sweaty den dritten Platz

Schienbeinbruch! Am Wochenende stand der für den heutigen Dienstag geplante Empfang zu Ehren der Hochschulteams "Sweaty" und "Magma" ernsthaft auf der Kippe. Roboterkicker Sweaty hatte sich beim Schusstraining ein Schienbein aus Carbon gebrochen. Fast wie im echten (Fußballer-)Leben – mit dem Unterschied, dass die Regenerationszeit bei Sweaty deutlich kürzer als bei einem Fußballer aus Fleisch und Blut ausfällt: Das Team um Prof. Ulrich Hochberg legte Sonderschichten ein, um den humanoiden Roboter der Hochschule Offenburg für den Empfang und das geplante Torwandschießen wieder zum Laufen zu bringen.

Beim Empfang am Dienstagvormittag an der Hochschule knallten dann aber schließlich doch die Fußbälle gegen die im Foyer der Hochschule aufgebaute Torwand – und danach die Sektkorken. Oberbürgermeisterin Edith Schreiner, Baubürgermeister Oliver Martini sowie Dr. Ulrich Kleine, Vorstand des E-Werks Mittelbaden waren auf Einladung der Hochschule gekommen, um die beiden Erfolgsteams "Sweaty" und "Magma" gebührend für deren Erfolge des vergangenen Jahres zu ehren. Anschließend traten die geladenen Gäste und Hochschulrektor Winfried Lieber gegen Roboterkicker Sweaty im Torwandschießen an.

Voriges Jahr holten beide Hochschulteams den Titel des Vizeweltmeisters beim RoboCup, der Weltmeisterschaft der Fußballroboter. "Darauf sind wir sehr stolz", betonte Rektor Lieber in seiner Ansprache. "Denn Sweaty und Team Magma stehen für vieles, was eine innovative Hochschule ausmacht", so Lieber: "Kompetenzen in Studium, Lehre und Forschung bis hin zu angewandter Spitzenforschung in allen interdisziplinären Belangen des ‚Digital Engineering‘." Die Roboter-Kicker seien viel mehr als nur eine "Spielerei": "Ohne ausgewiesenes Know-how in Hightech-Branchen wie in Human Machine Interfaces, autonomen Systemen, Robotik, Sensortechniken oder Kognitiver Kybernetik sind solche Ergebnisse nicht möglich."

Er freue sich daher, dass sich die Offenburger Roboterkicker auch für 2018 wieder ehrgeizige Ziele gesetzt haben: "Sweaty" konnte bereits 2017 seinen Platz als Vizeweltmeister verteidigen – und strebt dieses Ziel auch für dieses Jahr beim RoboCup 2018 vom 17.-22. Juni im kanadischen Montreal an. "Ich bin stolz darauf, dass wir hier in Offenburg eine so innovative Hochschule haben und gratuliere den beiden Roboter-Teams ,Sweaty' und ,Magma' herzlich zum Gewinn der Vizeweltmeisterschaft im vergangenen Jahr in Japan. Dieser Erfolg ist zukunftsweisend und ein großer Ansporn", sagte Offenburgs Oberbürgermeisterin Edith Schreiner – und lud Sweaty jetzt schon ein, sich nach absolvierter WM als erste Künstliche Intelligenz ins "Goldene Buch" der Stadt Offenburg einzutragen. "Als Weltmeister natürlich", sagte Schreiner mit einem Augenzwinkern.

Auch Fritz Keller, Präsident des SC Freiburg, sandte Glückwünsche: "Wir vom SC-Freiburg sind natürlich mächtig stolz darauf, dass mit Sweaty und Magma gleich zwei Fußball-Vizeweltmeister aus unserer Region kommen. Glückwunsch!", gratulierte Keller, der wegen einer Knieverletzung leider nicht am Empfang und vor allem dem Torwandschießen teilnehmen konnte: "Für die kommende Weltmeisterschaft in Montreal drücken wir ganz fest die Daumen."

Technologisch jedenfalls ist der Roboter bereits gut aufgestellt: "Sweaty hat neue Füße bekommen", verriet Professor Dr. Ulrich Hochberg, der das Projekt leitet: "Damit sind bessere, menschenähnliche Bewegungen möglich. Der neue Fuß kann den Vorderfuß abrollen, außerdem sind die Zehen flexibel", so Hochberg: "Wir wollen schreiten wie ein König und nicht schleichen wie ein Reptil." Allerdings müsse die Software angepasst werden, aber bis zum RoboCup im Juni ist ja auch noch Zeit.

"Die ausgefeiltere Technik wird uns voranbringen", zeigte sich Hochberg jedenfalls sicher: "Aber den Weltmeistertitel werden wir wohl erst im kommenden Jahr angreifen können." Dazu seien die Konkurrenzroboter "HERoHS" Hanyang Universität in Seoul/Korea, "Hephaestus", der Tsinghua University Peking/China sowie "NimbRo" der Universität Bonn derzeit noch zu stark. "Allerdings betreiben diese Teams auch einen finanziellen und personellen Aufwand, der den unseren bei weitem übersteigt. Dass wir da mithalten können, macht uns natürlich auch ein bisschen stolz", so Hochberg.

Team "Magma Offenburg" nimmt bereits vom 25. bis 29. April als Titelverteidiger in der "3D soccer simulation" der Robotica in Portugal teil. "Das Turnier ist unsere Vorbereitung für die WM in Montreal", erklärte Prof. Dr. Klaus Dorer. "Ziel für die WM ist es, den Abstand zum bisherigen Weltmeister zu halbieren, so dass eine Weltmeisterschaft 2019 in greifbare Nähe rückt." Dazu lernen die simulierten Roboter gerade, aus vollem Lauf zu schießen. "Magma Offenburg" wäre das erste Roboterteam der Liga, das diese Fähigkeit beherrscht.

Torwandschießen im Übrigen beherrscht Sweaty recht gut, er traf vier Mal bei sechs Versuchen und musste sich allerdings Rektor Lieber und Offenburgs Baubürgermeister Martini geschlagen geben (je fünf Treffer). Die rote Laterne ging an Dr. Ulrich Kleine, Vorstand des E-Werks Mittelbaden (zwei Treffer).

Zurück