Blick nach Basel

Erstmals haben Studierende des Masters den Campus des Pharmakonzerns Novartis in Basel besichtigt und dort einen Fachvortrag gehört. Referent war Ingo Arnold, der auch Autor eines Lehrbuchs ist, das die Offenburger Informatiker nutzen.

 

Es ist Rush-Hour an dem tristen Dezembermorgen in Basel. Die Straßenbahnen spucken im Minutentakt Menschen aus, die alle ein Ziel haben: den Novartis-Campus im Baseler Stadtteil St. Johann. Rund 12.000 Angestellte arbeiten hier, unter sie mischen sich an diesem Tag 14 Studenten des Informatik-Masters der Hochschule Offenburg mit ihren beiden Professoren Dr. Joachim Orb und Dr. Stephan Trahasch. "Es ist das erste Mal, dass wir mit unseren Studierenden bei Novartis zu Gast sind", sagt Joachim Orb. Ziel ist, den Studierenden schon während ihrer Ausbildung einen möglichst breiten Einblick in die Arbeitsbereiche zu gewähren, in denen sie später arbeiten können.

Fachvortrag zum Thema Software-Architektur

Thema der Exkursion zu Novartis ist der Bereich Software-Architektur. "Die Vorlesung zur Software-Architektur strukturiere ich unter anderem auch mithilfe eines Lehrbuchs, das Ingo Arnold verfasst hat", berichtet Joachim Orb. Ingo Arnold ist Unternehmens-Architekt bei Novartis und hält nach einer Führung über den architektonisch eindrucksvollen Campus des Pharmaunternehmens einen Fachvortrag vor den Studenten. Der Tag bei Novartis steht ohnehin ganz im Zeichen der Architektur: Während es am Vormittag um die architektonischen Besonderheiten geht, die in und an jedem Novartis-Gebäude zu finden sind, geht es am Nachmittag um Software-Architektur.

"Multi-Space-Konzept" ersetzt klassische Büros

"Novartis hat sich zum Ziel gesetzt, eine optimale Arbeitsumgebung zu schaffen - zum Wohl des Unternehmens, der Mitarbeitenden, aber auch der Stadt Basel", erklärt die Besucherführerin. Dazu gehört etwa, dass die Gebäude von international bedeutenden Architekten entworfen worden sind, dass Licht- und Sounddesigner für eine wohlige Atmosphäre sorgen. Im Frühjahr und im Sommer gibt es auch einen Freiluft-Bereich, in dem ebenso Besprechungen und Arbeitstreffen abgehalten werden können, wie in den Gebäuden. In kaum einem Gebäude finden sich noch Einzelbüros, Novartis verfolgt ein so genanntes "Multi-Space-Konzept", in dem es keine festen Arbeitsplätze mehr gibt. "Die Arbeitsumgebungen sind offen gestaltet und sollen die Kommunikation unter den Mitarbeitenden fördern", erklärt die Führerin. Auch einen Supermarkt, eine Apotheke, viele Spezialitätenrestaurants und Cafés gibt es auf dem Areal, das fast einer Stadt in der Stadt gleichkommt. "Dafür erwartet Novartis von seinen Mitarbeitenden aber auch die größtmögliche Leistung", sagt sie.

Jeder Bereich hat seine eigene IT

In seinem anschließenden Fachvortrag über Software-Architektur bestätigt auch Ingo Arnold, der seit zehn Jahren bei Novartis arbeitet, dass sein Arbeitgeber viel fordert und nur die besten Mitarbeiter für sich gewinnen möchte. "Vor allem in der IT ist die Zahl der Anwendungen inzwischen so hoch und auch komplex, dass die Herausforderung den Überblick zu behalten, stetig zunimmt", berichtet er. Bei Novartis hat jeder Bereich, etwa der Generika-Hersteller Sandoz oder der Augenheilkunde-Spezialist Alcon, seine eigene IT. Die Dimensionen, in denen bei Novartis gedacht und gearbeitet wird, hinterlassen bei den meisten Studenten einen bleibenden Eindruck. Am frühen Abend, als sich die Offenburger Informatiker wieder auf den Weg Richtung Heimat machen, sind die Straßenbahnen noch leer, die Fenster in den vielen Novartis-Gebäuden aber noch hell erleuchtet - die abendliche Rush-Hour beginnt in St. Johann später. 

Info: Eine virtuelle Tour über den Campus kann man unter www.novartis.ch machen.